1. Bestehen Bedenken gegenüber Fluorid?

Die Wirkung und die Unbedenklichkeit fluoridierter Salze und Zahnpasten sind wissenschaftlich erwiesen und durch langjährige Erfahrungen (zum Beispiel in der Schweiz) nachprüfbar. Bei dem in Deutschland vorgeschriebenen Fluoridgehalt im Speisesalz (0,31 mg/g Salz) und bei üblicher Salzverwendung im Haushalt ist eine Fluoridüberdosierung auszuschließen.

Außerdem:

  • Fluorid hat eine günstige Wirkung auf die Zahngesundheit (Schutz gegen Karies)
  • Fluoridiertes und jodiertes Speisesalz hat in Fachkreisen und in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz
  • Es sollte nur eine Form der systemischen Fluoridierung gewählt werden. Entweder fluoridiertes Speisesalz oder Fluoridsupplemente als Arzneimittel (z.B. Fluoridtabletten)
  • Zusätzlich sollte Fluorid durch die Verwendung von fluoridhaltigen Zahnpflege- und Fluoridierungsmitteln (z.B. Zahnpasten, Gele und Lacke) lokal appliziert werden.
  • Der Einsatz von Fluorid in Lebensmitteln - wie auch von Jod – sollte auf das Speisesalz beschränkt bleiben, da ansonsten infolge einer nicht kontrollierten Aufnahme unerwünschte gesundheitliche Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung: Verwendung von Mineralstoffen in Lebensmitteln. 2004

2. Gibt es Bedenken gegenüber fluoridierter Zahnpasta?

Seit Anhebung der Fluoridkonzentration in Kinderzahncremes im Jahr 2000 von 250 auf 500 ppm (parts per million) werden hin und wieder Bedenken wegen des Verschluckens von Zahnpasta geäußert. Bei der Annahme, dass die verwendete Menge (einmal täglich Tubenabstrich) maximal 0,12 g wiegt und 500 ppm Fluorid enthält, würde sich bei komplettem Verschlucken eine Aufnahme von 0,06 mg Fluorid pro Tag ergeben. Bei Kindern ab dem zweiten Geburtstag errechnet sich eine Fluoridaufnahme von 0,24 mg (zweimaliges Putzen mit erbsengroßer Menge). Dies entspricht nicht einmal der Hälfte der Menge an Fluorid, die vor dem heute gültigen Fluorid-Fahrplan als Aufnahmemenge über Fluoridtabletten und durch das Verschlucken der Kinderzahnpasta mit vormals 250 ppm Fluorid maximal erreicht wurde. Bedenken wegen einer Überdosierung oder wegen gesundheitlicher Schäden sind somit unbegründet.

3. Kann Fluorid eine Schmelz-Fluorose auslösen?

Eine Schmelzfluorose kann bei Überdosierung von Fluorid während der Phase der Schmelzbildung und hauptsächlich der frühen Schmelzreifung entstehen. Ein exakter Schwellenwert für eine Entstehung kann nicht angegeben werden. Die über Jodsalz mit Fluorid aufgenommene Fluoridmenge liegt bei altersüblicher Zusatzmenge von einem Gramm im Privathaushalt bei 0,31 mg/Tag. Inklusive der alimentären Fluoridaufnahme von etwa 0,2-0,3 mg ergibt sich eine Gesamtaufnahme von 0,5-0,6 mg Fluorid/Tag. Damit wird die optimale Fluoridzufuhr von 0,05-0,07 mg/kg Körpergewicht nicht erreicht. Abweichungen nach oben sind möglich, zum Beispiel durch Fluoride aus Mineralwässern und/oder Tees. In den meisten Fällen von Schmelzfluorose handelt es sich höchstens um ein kosmetisches Problem, da sie sehr mild ausfallen. Zähne mit einer Fluorose sind nicht kariesanfälliger als andere.

Da Empfehlungen zur Anwendung von Fluorid in der Kariesprophylaxe immer den besten Kompromiss zwischen prophylaktischer Effektivität und Fluorose-Risiko darstellen müssen, ist bei einer wirksamen Kariesprophylaxe mit Fluorid bevölkerungsbezogen immer auch mit einer gewissen Prävalenz einer Dentalfluorose zu rechnen. Diese liegt in Deutschland im internationalen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau.

4. Kann mit fluoridiertem Speisesalz zu viel Fluorid aufgenommen werden?

Die Befürchtung einer Überdosierung von Fluorid durch fluoridiertes Speisesalz kann eindeutig entgegengetreten werden. Das im Haushalt verwendete Salz trägt derzeit nur zu etwa 20 Prozent zur gesamten Salzaufnahme der Bevölkerung bei. Dadurch nehmen Erwachsene durchschnittlich nur 0,4 - 0,6 mg Fluorid pro Tag und Kinder 0,1 - 0,3 mg Fluorid pro Tag über das fluoridierte Speisesalz auf.

Ebenso sind akute Fluoridintoxikationen mit fluoridiertem Speisesalz nicht möglich. Die akut toxische Dosis für Speisesalz (NaCI) beträgt bei Erwachsenen circa 200 g Salz, bei Säuglingen und Kindern deutlich weniger. Die niedrigste akut toxische Fluoriddosis (5 mg/kg Körpergewicht) würde für ein Kleinkind theoretisch hingegen erst mit 240 g fluoridiertem Speisesalz erreicht, bei Erwachsenen mit 1,1 kg Salz.

5. Wie lassen sich Salzreduktion und ausreichende Fluoridzufuhr über fluoridiertes Salz in Einklang bringen?

Viele Ärzte und Ernährungswissenschaftler empfehlen einen geringeren Salzkonsum für eine gesündere Ernährung. Wenn jedoch ausschließlich Jodsalz mit Fluorid verwendet wird, ist es möglich, sich salzarm zu ernähren und die eigene Fluoridversorgung sogar noch zu verbessern. Derzeit nehmen Europäer etwa sechs bis acht Gramm Salz täglich zu sich. Dabei empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) maximal fünf bis sechs Gramm. Mit einer salzarmen Ernährung würden laut BfR weniger Verbraucher mit Bluthochdruck eine Therapie benötigen und einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erleiden. Weniger Salz zu essen heißt jedoch nicht, auf die wirkungsvolle Maßnahme zur Kariesvorbeugung zu verzichten, wenn Verbraucher ausschließlich fluoridiertes Speisesalz verwenden. Die Empfehlung zum Gebrauch von Jodsalz mit Fluorid bedeutet nicht „mehr Salz“, sondern „wenn Salz, dann Jodsalz mit Fluorid“.

6. Wie kommt das Fluorid in das Speisesalz?

Das in Deutschland erhältliche Tafelsalz wird hauptsächlich bei der Siede-Salz-Herstellung gewonnen. Dabei fließt Wasser durch salzhaltiges Gestein und das Salz wird herausgelöst. Die sogenannte Sole wird anschließend eingedampft, bis nur noch das Salz übrig bleibt. Das in diesem Verfahren gewonnene Salz enthält jedoch weder Jod noch Fluorid in relevanten Mengen. Daher wird Speisesalz nach den Empfehlungen der Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusätzlich mit Fluorid angereichert.

Für die Fluoridierung von Haushaltssalzen finden Natrium- oder Kaliumfluorid Verwendung. In Deutschland werden dem Speisesalz 310 ppm Fluorid (310 mg/kg Salz) entweder in Wasser gelöst oder trocken zugegeben. Im praktischen Betrieb der Herstellung von Jodsalz mit Fluorid erfolgen die Jodierung und Fluoridierung gleichzeitig. Das Fluorid stammt dabei aus natürlichen Ressourcen, aus Flussspat oder Fluorapatit, die bergmännisch vor allem in Mexico, China und Namibia abgebaut werden.

7. Schmeckt fluoridiertes Salz anders, ist die Haltbarkeit begrenzt?

Jodsalz mit Fluorid hat keine anderen küchentechnischen oder geschmacklichen Eigenschaften. Auch die Haltbarkeit entspricht der von herkömmlichem, nicht angereichertem Speisesalz. Jodsalz mit Fluorid und zusätzlicher Folsäure hat eine hellgelbe Farbe, die sich durch den Zusatz des B-Vitamins ergibt. Auf Geschmack, Haltbarkeit und Verwendungsmöglichkeiten beim Kochen und Backen hat das aber keine Auswirkungen.

8. Was sind die Unterschiede von Kinder- und Juniorzahnpasta?

Kinder- und Juniorzahnpasta unterscheiden sich hauptsächlich im Fluoridgehalt: Mit 500 ppm liegt die Kindervariante bei nur etwa einem Drittel im Vergleich zu Junior-Zahnpasten, die maximal 1500 ppm Fluorid enthalten. Fachgesellschaften empfehlen, ab dem Durchbruch des ersten Milchzahns bis zum Beginn des Zahnwechsels eine Kinderzahnpasta zu verwenden, da in diesem Alter die Gefahr des Verschluckens und damit verbunden einer möglichen Fluorose besteht. Ab dem sechsten Geburtstag kann ein Kind eine Erwachsenenzahnpasta benutzen oder eine milde Junior-Zahncreme. Bei beiden ist die hohe Fluoridkonzentration von bis zu 1500 ppm wichtig, um den noch nicht voll ausgereiften Zahnschmelz vor Karies zu schützen.

9. Schnuller ablecken - hilfreich oder gefährlich?

In unserem Mund wohnt ein breites Spektrum an unterschiedlichen Mikroorganismen. Beim Ablecken des Schnullers gelangen diese von der Mutter in den kindlichen Mund. Aus diesem Grund warnten Zahn- und Kinderärzte viele Jahre vor dieser Art der Schnullerreinigung. Stattdessen sollten Eltern den Schnuller besser unter Wasser reinigen und regelmäßig auskochen. Doch genau das wiederum stellen schwedische Wissenschaftler jetzt in Frage. In einer Studie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen Schnuller-Ablecken und der Entwicklung von Ekzemen und Allergien. Das Ergebnis: Die Kinder, die durch eine natürliche Geburt und das Schnuller-Ablecken bereits mit der Bakterienflora der Eltern in Kontakt gekommen sind, weisen deutlich weniger Ekzeme und Allergien auf.

Das Ablecken des Schnullers kann jedoch auch Gefahren bergen. In dem elterlichen Bakteriencocktail befinden sich häufig auch Erkältungskeime oder andere Erreger von Infektionen. Fast jeder Erwachsene trägt auch Herpes-Viren in sich. Was bei Erwachsenen nur ein lästiges Übel ist, kann bei Kindern vor allem in den ersten drei Lebensmonaten zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. Bei akuten Infektionen oder einem Herpes-Ausbruch sollte auf das Ablecken des Schnullers daher weiterhin verzichtet werden.