21. Juli 2015 Kariesprävention bei Vorschulkindern in Gambia: Aktuelle Studie bestätigt kariesvorbeugende Wirkung von Fluoridsalz

Fluoridsalz wirkt kariespräventiv

Fluoridsalz wirkt kariespräventiv

Den positiven Einfluss von Fluoriden bei der Kariesprophylaxe bestätigt eine aktuelle Untersuchung bei Vorschulkindern in Gambia [1]. Durch die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz konnte der Karieszuwachs um etwa 66 Prozent reduziert werden. Denn Fluoride schützen zweifach vor der Erkrankung der Zähne: Sie bewirken einerseits, dass sich Mineralstoffe in den Zahnschmelz einlagern und verhindern andererseits, dass sich diese herauslösen. Der Zahnschmelz wird auf diese Weise widerstandsfähig gegenüber Säuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden oder beim Abbau von Zucker im Mund entstehen.

Die Studie zum kariespräventiven Effekt von fluoridiertem Speisesalz wurde unter der Leitung von PD Dr. Andreas Rainer Jordan durchgeführt. „Unser Ziel war es, die Kariesprävalenz im Milchgebiss durch den Einsatz von Fluoridsalz zu senken“, erklärt das Beiratsmitglied der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und Lehrbeauftragter der Universität Witten/Herdecke. Die Wissenschaftler untersuchten zwischen 2011 und 2013 in zwei Kindergärten in Gambia zwei Gruppen mit insgesamt 450 Kindern. Die Testgruppe im ersten Kindergarten erhielt in der Gemeinschaftsverpflegung Mahlzeiten mit fluoridiertem Speisesalz und die Kontrollgruppe im zweiten Kindergarten Mahlzeiten ohne Fluoridsalz. Zu Beginn der Studie waren bei den Kindern in der Test- und der Kontrollgruppe etwa gleich viele Zähne von Karies betroffen. Ein deutlicher  Unterschied zeigte sich hingegen nach einem Beobachtungszeitrum von zwölf Monaten: Während die durchschnittliche Zunahme der Zahl der kariösen Zähne in der Testgruppe lediglich 1,29 betrug, lag diese in der Kontrollgruppe deutlich darüber – bei 3,83 Zähnen.

Fluoridiertes Speisesalz: wirksame Basismaßnahme

„Für die Kariesprophylaxe ist die tägliche und lebenslange Verwendung des angereicherten Salzes wichtig“, so Jordan. Die Menge an Fluoriden, die in Lebensmitteln wie Trinkwasser, pflanzlichen Nahrungsmitteln sowie in einigen Fischarten vorkommt, reiche für eine wirksame Kariesvorbeugung nicht aus.

Die IfK empfiehlt Verbrauchern deshalb, bei der Lebensmittelzubereitung zu Hause Speisen mit fluoridiertem Speisesalz zu würzen. Zudem ist es ratsam, die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu putzen. Kinderzahnpasta sollte einen Fluoridgehalt bis 500 ppm und Junior- oder Erwachsenenzahnpasta bis 1.500 ppm aufweisen.

Um in Deutschland Speisesalz mit Fluorid zu vertreiben, ist eine spezielle Genehmigung erforderlich. Die Behörden verlängerten diese Ende 2014, damit Haushalte auch weiterhin das angereicherte Salz verwenden können. Der Gehalt wurde von 250 mg Fluorid pro kg Salz auf 310 mg Fluorid pro kg Salz erhöht. Dies entspricht bei der durchschnittlichen Verzehrsmenge von zwei Gramm Haushaltssalz in Deutschland pro Tag etwa 15 Prozent der Fluorid- Zufuhrempfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die durch Trinkwasser, feste Nahrung, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden sollte [2]. Die IfK begrüßt die Entscheidung und empfiehlt, auch in der Gemeinschaftsverpflegung Fluoridsalz einzusetzen.

Damit trägt die IfK einem allgemeinen Trend Rechnung. „Viele Kinder kommen überhaupt nicht in den Genuss von fluoridiertem Haushaltssalz, da sie primär Fertiglebensmittel verzehren und Verpflegungsangebote zum Beispiel in Kindergärten und Schulen wahrnehmen. Dort wird so gut wie nie Salz mit Fluorid verwendet“, erklärt Jordan. Nach Schätzungen werden weniger als 20 Prozent des verzehrten Speisesalzes in Form von fluoridiertem Haushaltssalz aufgenommen. Zumindest in Kindergärten und anderen Gemeinschaftseinrichtungen darf grundsätzlich Fluoridsalz eingesetzt werden. Jedoch erfordert dies die Zustimmung der Eltern und muss im Einzelfall beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BVL) beantragt werden. Weitere Informationen finden Sie unter:

www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/06_Ausnahmegenehmigungen/lm_ausnahmeGenehm_node.html  

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Quellen:

[1] Jordan R. A., Schulte A., Bockelbrink A., Pütz S., Zimmer S.: Relative Caries Preventive Effect of Salt Fluoridation in Preschool Children in Gambia. Poster ORCA 2014 in Greifswald

[2] DGE: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Fluoride. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013

Herausgeber:
Informationsstelle für Kariesprophylaxe
Katja Jung, Dirk Fischer
Leimenrode 29, 60322 Frankfurt
Telefon: 069 / 2470 6822
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Dateien:
1_Kariesprävention_Gambia.doc